
Einseitige Fixierung auf Wachstum lähmt.
Es war vorauszusehen: Trotz gegenteiliger Behauptungen war bereits Monate vor den Bundestagswahlen klar, dass die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt nach der Wahl noch trostloser werden würde als vorher. Wie sollte sich die Situation auch ändern, wenn diejenigen Parteien, die uns in die wirtschaftliche Katastrophe geführt haben, immer noch an der Spitze stehen. Die Situation ist kurios: Die Deutschen haben, wenn man dies so ins Bild bringen möchte, blinde Bergführer gewählt, in der Hoffnung, sie würden den gefährlichen Weg im Gebirge sicher zeigen können. Dies sagt aber nicht nur etwas über die Wähler aus, die zu schelten kurzsichtig wäre, sondern auch etwas über die oppositionellen Kräfte, die ihre Positionen offenbar nicht verständlich und noch weniger begeisternd formulieren konnten.
Also schaue man auf die Situation. Die gewählte Wirtschaftspolitik setzt allein auf Wachstum. Und da der freie Fall der Auftragseingänge in den letzten Monaten kaum gestoppt werden konnte, hat sich natürlich auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt aktuell nicht entspannt. Das größte Loch wird derweil noch notdürftig durch Kurzarbeit kaschiert. Die Situation werde, so vertrösten uns die „Experten“ – die modernen Auguren der globalisierten Welt – sich erst in vier, fünf Jahren bessern. Denn dann würde der Bedarf steigen und „wirkliches“ Wachstum möglich sein.
Die Neue Rechte hat sich aber vom Wachstumsgedanken verabschiedet. Was Ökologen und Ökonomen seit Jahren feststellen, muss endlich auch seinen Niederschlag in der politischen Programmatik und dann auch in der konkreten Politik finden. In einem begrenzten Raum kann es kein unbegrenztes Wachstum geben. Wachstum, so Alain de Benoist, erzeuge „bestenfalls einen sehr ungleich verteilten Reichtum. Statt diese Ungleichheiten einzuebnen, verstärkt es sie noch.“ Auch gebe es keine zwingende Verbindung zwischen Wachstum und Beschäftigungsquote oder Lebensqualität. Also muss man immer wieder deutlich machen: Alle Politiker, die glauben, unsere Zukunft ließe sich durch Wachstum gestalten, lügen.
Es müssen neue Visionen gedacht werden, wie eine andere Vorstellung von Wirtschaft Wirklichkeit werden kann. „Es geht darum“, formuliert Benoist, „das Ökonomische auf den ihm gebührenden Platz zu verweisen – und mit ihm Warenaustausch, Lohnarbeit und Profitlogik.“ Der Unternehmer Götz Werner verwies in einem Interview darauf, dass die Unternehmer wieder lernen müssten, zu fragen „Womit kann ich dienen“: „Dienen drückt aus, dass das Leisten kein Selbstzweck ist, sondern einem anderen dient.“
Das Problem, so Werner, bestehe nicht in erster Linie darin, dass klassische Arbeitsplätze wegfielen, sondern dass Produktivitätsfortschritt und Produktivitätssteigerung nicht an die Menschen zurückflössen. Außerdem müsse man Arbeit wieder neu definieren. Es gäbe schon genug Arbeit in der Gesellschaft, aber eben nicht genug Arbeit, die bezahlt werde. Werner schlägt zum Beispiel deshalb ein Bürgergeld vor, das als Grundsicherung ausgezahlt werden solle und somit auch Arbeiten honorieren würde, die heute als ehrenamtlich gilt.
Man mag solche Vorschläge als utopisch ansehen. Aber genau darin liegt die Chance der Rechten. Dass sie Fragen konkret politisch bewegt und diskutiert, die abseits der realpolitischen Sackgassen liegen. Nur solche Gegenentwürfe schaffen Glaubwürdigkeit. Natürlich müssen auch immer konkrete politische Bezüge vorhanden sein. Das heißt für den vorliegenden Fall: Es ist genug Arbeit zum Beispiel in den Familien da. Kindererziehung und Altenpflege wäre wieder eine Aufgabe für die älteste „Non-Profit-Organisation“ der Weltgeschichte – die Familie.
Zunächst die Anerkennung im ideellen Sinn, aber auch die finanzielle Sicherstellung der Familie ist dann eine sehr konkrete Forderung. Die Rechte sollte sich den Luxus phantasievoller Diskussionen leisten, damit diese dann zu zugkräftigen politischen Forderungen werden.
Andreas Molau
Literaturhinweise:
Götz W. Werner: Ein Grund für die Zukunft: das Grundeinkommen.Alain de Benoist: Abschied vom Wachstum.
- Nachdenken in der Krise
- Schleichende Armut
- Logik des Abwrack-Unsinns: „Kauft nicht bei Deutschen“
- Frankfurt (Oder) soll eine deutsche Zukunft haben
- EU-Kampf gegen die Glühbirne
- Offenbarungseid der Bundesregierung
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#1 by ggg at 12. Oktober 2009
Jeder Mensch mit ein wenig Hausverstand wird sich im Klaren sein, dass irgendwann ein jedes Wachstum zum Ende kommen muss, außer es ist ein Tumor, der einem zerstört. Sollte jedoch die Konjunktur in einem Abschwung bzw. später in eine Rezession übergehen, ergeben sich schwierige Zeiten, wie Wirtschaftsmodelle gut zeigen. Die Arbeitslosigkeit steigt über das natürliche Niveau an und die Produktion geht unter das natürliche Niveau. Die Inflation sinkt zur Erleichterung ebenfalls leicht ab.
Wenn man aber dauerhaft auf verschwindendem Wirtschaftswachstum verbleibt, ist es verständlich, dass auch die Arbeitslosigkeit in der langen Frist nicht mehr auf das natürliche Niveau zurückfinden wird. Wenn nun Personen lange arbeitslos sind, also Langzeitarbeitslose, fallen diese aus dem Lohnsetzungsprozess heraus und führen wegen dem geringen Konsum zu weiterer Arbeitslosigkeit. Somit korreliert die Differenz zwischen natürlicher Arbeitslosigkeit und aktueller Arbeitslosigkeit mit dem Wachstum. Im Endeffekt steigt damit die Arbeitslosigkeit an und wie man jetzt in dieser Rezession gut erkennen kann, steigt bei negativem Wachstum die Arbeitslosenzahlen noch schneller und dramatischer an.
Wie man solche Fehlfunktionen reparieren kann, ist fraglich, weil das vorliegende wirtschaftliche Prinzip auf einem selbsterzeugten Gesetz funktioniert, welches global greift. Eine noch so gute internationale Zusammenarbeit kann auch daran nichts ändern, wenn es auch dauernd prophezeit wird. Nationaler Wirtschaftsprotektionismus könnte teilweise für das eigene Land massivste Verbesserungen bringen. Andere Volkswirtschaften können damit jedoch stark beeinträchtigt werden und deshalb wird das von der EU oder anderen Globalisierungsfetischisten explizit ausgeschlossen.
#2 by Thomas Fabian at 12. Oktober 2009
Welcher Staat braucht permanentes Wachstum ? Ein Staat der Krieg führt! Ein Staat der einen gigantischen Schuldenberg abbauen muss ! Ein Staat der meint er müsse dem “Mainstream”folgen,und somit politische Gefälligkeiten in der ganzen Welt finanzieren !Ein Staat der als größter Bestandteil eines zukünftigen Superstaates (Europa),mit Biegen und Brechen diesen realisieren will,wobei das funktionierende Verhältniss zwischen Arbeiterschicht,Mittelschicht u. oberen 10.000 in Schieflage gerät ! Ein Staat der Überbevölkerung hat,und des Sozialen Friedens willen ,der Bevölkerungsmehrheit ein Leben in Wohlstand ermöglichen muss !
WEHE WEHE …….WENN ICH DAS ENDE SEHE
#3 by ggg at 13. Oktober 2009
Dies sind nur allgemeine Aussagen und müssten genauer betrachtet werden. Wenn ein Land Krieg führen will oder gerade betreibt, führt das zu einem gewaltigen Wirtschaftswachstum und senkt die Arbeitslosenzahl (z.B. 2. Weltkrieg).
Wenn die Staatsschulden durch ein Außenhandelsdefizit immer stärker ansteigen, kann man nur seinen Kreditgeber zufriedenstellen, wenn man zeigt, dass noch Wachstum vorhanden ist und auch in Zukunft noch Zinsen bezahlt werden können. Andererseits wird bei negativen Wachstum der Kreditgeber auch noch weitere Kredite für den Schuldner gewähren, weil der Gläubiger sonst überhaupt nichts mehr sehen würde (z.B.: USA – China, japanische Bankenkrise). Leider werden damit marode Staaten bzw. Unternehmen immer wieder weiter finanziert ohne etwas ändern zu müssen.
Jeder Staat muss nach den „Mainstream“ funktionieren, weil es sonst keinen Handel mit anderen Nationen geben könnte. Natürlich ist es möglich, dass vorherrschende System (Zinssystem) abzuschaffen und sich an die Schari´a zu halten. Ich kann mir allerdings beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich hier jemand der Schari´a zuwenden will.
Ein größeres Problem des zinslosen Systems ist jedoch die Fixierung aller Löhne und die Aufgabe von verschiedensten wirtschaftspolitischen Maßnahmen (Fiskal- und Geldpolitik). Es dürfte auf keinen Fall eine Lohnerhöhung geben, was für die Arbeiter besonders demotivierend sein dürfte. Die Inflation würde danach genauso auf null gehen und der Staat könnte die Preise ebenfalls festlegen.
Konjunkturzyklen lassen sich ohne Zinsen genauso wenig vermeiden, wie mit Zinsen, allerdings kann man dann ohne Fiskal- und Geldpolitik nicht mehr regulierend eingreifen. Ohne diese Mittel würde in dieser Wirtschaftskrise die Arbeitslosigkeit extrem explodieren. Leider wird besonders bei der USA die Fiskalpolitik über Geldschöpfung finanziert, was sich in der langen Frist sehr schlecht auswirken wird (hohe Inflation).
Man darf daher nicht in der Idee verharren, dass man das Wirtschaftssystem umstellen kann, denn bei der Umstellung würde der deutsche Wirtschaftsraum total vernichtet werden und es würde viele Jahre dauern diesen wieder aufzubauen. (Wenn alles am Boden liegt, kann man natürlich einen Kurswechsel leichter bewerkstelligen.) Es ist daher wesentlich wichtiger das momentane System zu regulieren, als zu vernichten. Durch die erneute Zunahme der Aktienkurse ist der Glaube daran, wie an eine höhere Macht, der Regulierung im Weg bis sich die Lage wieder zuspitzt.
#4 by Klartext at 14. Oktober 2009
Ohne Wachstum gibt es kein Fortschritt – und ohne Fortschritt beginnt die neue Steinzeit. Die Frage der gerechten Verteilung ist nicht vom Wachstum abhängig. Hier einen Zusammenhang zu konstruieren lenkt nur von den tatsächlichen Problemen ab. Wenn die Folgen der katastrophalen Wirtschaftspolitik mit fehlendem Wachstum entschuldigt werden, dann muss die Opposition diese Fehler benennen und nicht das Wachstum zum Buhmann erklären. So kann man nur wirtschaftspolitischen Unverstand beweisen. Wer käme heute wohl ins Internet, wenn wir 1949 Null-Wachstum bei gerechter Verteilung beschlossen hätten?
#5 by Thomas Fabian at 14. Oktober 2009
ZU 4 :Welches Wachstum ? Der Flächenverbrauch in Deutschland ist dramatisch,das sagen nicht nur sogenannte Öko-spinner/faschisten sondern auch einige Bauernverbände.Gigantische Gewerbegebiete mit Riesigen Hallen,versiegeln Fläschen und verschandeln die Landschaft.Wenn nun diese “Zupflasterung”wenigstens dazu beitragen würde die Massenarbeitslosigkeit zu beseitigen……….Nein,auf diesen riesigen Flächen arbeiten nur eine Hand voll Leute. Nur einige wenige Profiteure haben etwas davon,das Deutsche Volk wird in der Zukunft dafür bezahlen.
#6 by Thomas Fabian at 15. Oktober 2009
Zu 3 : Schöner Vortrag,aber ändert nichts an den Fakten.Ein Staat wie Deutschland der sich die oben genannte Politik NICHT leistet,braucht kein permanentes Wachstum,d.h. das eine oder andere Jahr mit 0-Wachstum und ansonsten ein minimales Wachstum, und bei einer Bevölkerung von 70 Millionen ,können alle, (ausser ein paar Querulanten) in relativen Wohlstand leben. Ohne die Umwelt irreparabel zu schädigen, und ohne sämtliche Ressourcen zu verplempern.
#7 by Klartext at 15. Oktober 2009
@Thomas Fabian
Wirtschaftswachstum und Flächenverbrauch stehen in keinem direkten Zusammenhang. Ob in die Fläche oder in die Höhe gebaut wird, ist neben der Kostenfrage vor allem eine rein politische Entscheidung. Eine restriktivere Flächenpolitik würde das Wirtschaftswachstum zusätzlich fördern, da das Bauen dann aufwendiger und damit teurer werden würde.