Kopfgeld


Philipp Rösler ist der optisch wohl auffälligste Minister im Kabinett Merkel. Der Mann mit einem deutschen Paß und einem Doktorgrad in Humanmedizin ist gebürtiger Vietnamese. Böse Stimmen könnten davon reden, daß das Kabinett Merkel sich mit ihm — erstmals in der Geschichte der BRD — einen Quoten-Migranten zugelegt hat.

Aber nicht wegen eines möglicherweise latenden Rassismus dürfte Dr. Rösler heute der unbeliebteste BRD-Minister sein. Das hat mit seinem Aufgabenbereich zu tun: Er ist Gesundheitsminister. Eigentlich eine schöne, eine dankbare Aufgaben. Welcher Arzt träumt nicht davon, mal für wenigstens einen Tag Gesundheitsminister zu sein und Kranken auf einer ganz anderen, einer viel höheren Ebene helfen zu können als nur in seiner Praxis oder seinem Krankenhaus? Philip Rösler hat sich diesen Traum erfüllt. Obwohl es im Moment für ihn vielleicht viel eher ein Alptraum ist.

Denn die Kosten im Gesundheitswesen explodieren. Nicht erst, seit Rösler Minister dieses Fachbereichs ist. Es ist eine permanente Explosion, ja, es sieht schon fast aus wie eine nicht enden wollende Kettenreaktion. Erste Krankenkassen haben angekündigt, von ihren Versicherten einen Zuschlag von schätzungsweise 100 Euro jährlich haben zu wollen. Das sorgt für Unmut im Volke und für Besorgnis bei Politikern. Deshalb hat Herr Rösler den Plan, eine Kopfsteuer im Gesundheitswesen einzuführen.

Die auch an der Regierung beteiligte CSU ist gegen die Vorstellungen des FDP-Ministers. Rösles bayerischer Amtskollege Markus Söder schätzt, wenn eine solche Kopfpauschale sozial gestaltet werden solle, müsse man aus Steuermitteln dafür 20 bis 40 Milliarden Euro aufwenden. Die hat der Staat natürlich nicht. Woher auch?

Sehr realistisch weist der bayerische Gesundheitsminister aber darauf hin, daß es meist zwei Wege gibt, ein Problem zu lösen. Mehr Geld auftreiben ist der eine. Die Kosten reduzieren ist der andere. Und dieser andere ist oftmals erfolgreicher als der erste Weg.

Das Gesundheitswesen hat — wie so vieles in unserer modernen Gesellschaft — einen bürokratischen Wasserkopf. Man braucht sich einfach nur die Vielzahl von Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen anzusehen, um zu wissen: Es sind nicht nur Ärzte, Krankenschwestern, Betreiber von Krankenhäusern oder die mächtige Pharma-Industrie, die zur Kostenexplosion beitragen. Es ist auch der Verwaltungsaufwand, der durch eine solche große Zahl von Kassen und Versicherungen entsteht. Das hat schon nichts mehr mit Wettbewerb zu tun. Es ist einfach ein Kropf. Und eine solche Struma — um in der Fachsprache von Dr. Rösler zu bleiben — würde man bei einem Menschen mit Jod, mit Schilddrüsenhormonen oder nötigenfalls auch durch operative Entsorgung behandeln.

Von solchen Möglichkeiten sollte Dr. Rösler erst einmal Gebrauch machen, bevor er daran denkt, durch das Abnicken eines Zuschlages die Versicherten zu belasten oder durch sozial nötige Anteile an einer Kopfsteuer den Steuerbürgern in die Tasche zu greifen.

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  1. #1 by Martin K. at 1. Februar 2010

    Interssant ist auch eine andere Tatsache, die in dem Artikel leider nicht zur Sprache kommt: Die vielen Krankenkassen wirtschafteten mit ihren unterschiedlichen Beiträgen recht wirtschaftlich. Bis die totale Angleichung auf hohem Niveau kam. Plötzlich sind sogar Zusatzbeiträge notwendig. Diese hat der Gesetzgeber ausdrücklich eingeräumt und dieses “Angebot” wird von den Krankenkassen gern angenommen. Selbst oder gerade von jenen, die vor der Angleichung der Beitragssätze noch mit 12 Prozent auskamen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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  2. #2 by Worch at 1. Februar 2010

    @ Martin K (nr. 1):

    Korrekt.

    Beispielsweise ist in dem Artikel auch nicht zur Sprache gekommen, daß es beachtliche Bereiche der Einsparung auch bei der Pharma-Industrie gibt. Ich spreche von Medikament-Derivaten. Eine EU-Kommission prüft zur Zeit mutmaßlich illegale Absprachen zwischen den Patentinhabern und Derivat-Herstellern. Unterhalb der Schwelle noch patentierter Wirkstoffe merkst du den Unterschied, wenn du in der Apotheke Aspirin (Acetylsalicylsäure 500 mg) von BAYER kaufst oder ASS (Acetylsalicylsäure 500 mg) von ratiopharm….

    Dieser Artikel befaßt sich also ausdrücklich erst einmal nur mit EINEM von mehreren Aspekten, die Kostenexplosion zu dämpfen.

    Wenn es sich ergibt beziehungsweise Interesse des Publikums feststellbar ist, werden möglicherweise noch weitere Artikel zu diesem Themenkomplex nachgeschoben. Herr Dr. Rösler wird nicht allein wegen seiner für einen deutschen Minister etwas ungewöhnlichen Physiognomie nicht so rasch aus unserem Blickfeld verschwinden…

    Christian Worch

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  3. #3 by Marks at 2. Februar 2010

    Kopfgeld auf den Gesundheitsminister (wegen Verbrechen am Deutschen Volke) ….
    ………………………………..Gute Idee… Wie Hoch ist Sie denne??????????????
    Andre Marks
    Wolfsburg/Niedersachsen/Kolonie der Allierten(BRD-GmbH)

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  4. #4 by Andreas at 3. Februar 2010

    Villeicht sollte man bei dieser Gelegenheit auch mal schauen wohin die Gelder der GKV
    fließen. Es gibt mit vielen Ländern Sozialversicherungsabkommen (z.B. mit der Türkei)
    Da sind alle Familienangehörigen (im Ausland) kostenlos mitversichert (in der deutschen GKV) Sie müssen dort auch keine Praxisgebühr etc. zahlen.
    D.h. wir finanzieren mal eben ein paar Millionen Menschen im Ausland “solidarisch” mit,
    die nicht einen Cent in unser System einbezahlen:
    Wer das nicht glaubt kann mal unter sogenannter “bilateraler und multilateraler Sozialversicherungsabkommen” googlen.

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